Die Pille ist gefährlich, sorgt für Depressionen, emotionale Unausgeglichenheit, Gewichtszunahme und sinkende Libido. Thormbose und Lungembolien aufgrund der Pilleneinnahme geistern als Horrorgeschichten durch das Internet und viele Frauen haben die Pille inzwischen abgesetzt, verhüten anders und warnen sogar davor.

Gleichzeitig wird die Pille nach wie vor gerade jungen Frauen als bestes Verhütungsmittel empfohlen, in Teenager-Zeitschriften beworben und oft auch ohne größere Nachfrage vom Frauenarzt verschrieben. Irgendwie ein „Trend-Medikament“ – laut Statista gaben rund 57% der befragten Jugendlichen in 2016 an, mit der Pille zu verhüten.

Hi cuties,

heute möchte ich euch meine Geschichte mit der Pille etwas näher bringen und erzählen, wie ich jetzt verhüte.

Meine Geschichte

Wie schon oben beschrieben, war die Pille in meinem damaligen Bekanntenkreis das Verhütungsmittel Nummer 1. Fast jedes Mädchen in meiner Klasse nahm sie und in so ziemlich jeder Zeitschrift wurde die Pille als einfach und unkompliziert empfohlen. Auch im Aufklärungsunterricht gab es keine ausführliche Beleuchtung verschiedener Verhütungsmittel, sondern eher ein „Das ist ein Kondom und das ist die Pille – damit seid ihr sicher geschützt.“

Mit 15 war es dann auch bei mir so weit, der erste Freund mit dem ich mir was „ernsteres“ vorstellen konnte – also musste die Pille her, denn ein Kondom allein war mir zu unsicher, das könnte Abrutschen oder Platzen, hat man ja alles schon gelesen und wie man es richtig anwendet wusste ich auch nicht. Ich wollte wirklich um nichts in der Welt schwanger werden (das ist mir auch heute noch unglaublich wichtig), dementsprechend hab ich das Gespräch mit meiner Mutter gesucht und bin das erste Mal zum Frauenarzt gegangen. Das Gespräch war kurz und unkompliziert, ein paar Routinefragen musste ich beantworten und schon bekam ich eine Pillenpackung die „sehr gut für junge Frauen verträglich ist“ mit nach Hause. Natürlich direkt aus dem Schrank der Ärztin, damit ich das erste Mal nicht in die Apotheke gehen musste.

So weit so gut, ich begann die Pille natürlich gewissenhaft zu nehmen und mir regelmäßig ein neues Rezept zu holen. Nach etwa drei Monaten bekam ich aber immer öfter Kopfschmerzen und in den Pillenpause richtig starke Migräne. Dass das von der Pille kommen könnte, war mir nicht klar, schließlich war mir das Wort „Migräne“ schon von Familienmitgliedern bekannt. Nachdem ich also erneut bei meiner Frauenärztin war um das trotzdem mal zu besprechen, empfahl Sie mir ein anderes Präperat, bei dem ich nur noch alle 3 Monate eine Pause machen brauchte, da ich ja den „Homonentzug“ nicht so gut vertragen würde. Das „sei aber völlig normal“ beruhigte sie mich. In diesem Zyklus habe ich die Pille nun bis vor 2 Monaten genommen.

Komplikationen gab es an sich eigentlich keine. Ich dachte, dass die verminderte Lust normal wäre, ich die Migräne eben geerbt hätte und das langsam ansteigende Gewicht einfach damit zusammenhing, dass ich „zu viel“ aß (was nicht der Fall war).

Es gab nur einen Zwischenfall mit Pilzinfektionen (wer das schon mal hatte, der weiß, dass es nicht sinderlich angenehm ist und man sich immer fragt, wie man es nun bekommen hat). Nachdem ich mich 3 mal in Folge jedes mal nach der Pillenpause mit einem Scheidenpilz zu kämpfen hatte, saß ich (nun aber schon zwei Jahre älter) wieder bei der Ärztin. Diese sagte mir dann, dass es nun mal Frauen gäbe, die zu Pilzinfektionen neigen und das man dagene nichts machen kann. Nach dem Gespräch suchte ich mir einen anderen Gynäkologen, diesmal einen Mann, der einfühlsam war, sich viel Zeit nahm und mir alles ausführlich erklärte. Wäre ich zwischenzeitlich nicht nach Dresden gezogen, dann wäre er immer noch mein Ansprechpartner. Mit seinen Tipps wurde ich die lästigen Infektionen dann auch wieder los.

Warum ich die Pille abgesetzt habe!

Objektiv betrachtet hatte ich eigentlich keine großartgen Probleme mit der Pille, ich hatte immer eine sichere Verhütung und nur „ab und zu “ mal Migräne-Anfälle (nämlich immer dann, wenn ich zu wenig oder zu viel Schlief, etwas neues machte, aufgeregt war oder schlicht meine Pillenpause hatte)

Trotzdem habe ich mich dazu entschieden, hormonfrei verhüten zu wollen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Natürlich habe ich den „Internethype“ zum Thema Pille mitbekommen und wie gefährlich die Pillen der neueren Pillengenerationen seien, aber da dachte ich mir ehrlich gesagt, dass das alles nur super ängstliche Frauen sind und ich ja keine Nebenwirkungen habe – die Pille also folglich gut vertrage. Also habe ich nicht weiter nachgeforscht und es ignoriert, so gut es eben ging.

Vor über einem Jahr hat dann aber eine gute Freundin ihre Pille abgesetzt (sie nahm ein ähnliches Präperat wie ich) und hatte nach dem Absetzen der Pille keinen einzigen Migräneanfall mehr. Das fand ich ziemlich erstaunlich, zumal sie vorher unter Migräne mit Aura (in Form von Sehstörungen) litt. Zusätzlich dazu wechselte eine andere Bekannte das Pillenpräperat auf anraten ihrer Ärztin und bekam in Folge dessen Haarausfall. Diese zwei Ereignisse haben mich irgenwie wachgerüttelt und mir gezeigt, dass ich mich doch mal intensiver mit der Pille auseinandersetzen sollte.

Ich begann mit der Recherche, studierte den Beipackzettel, las Erfahrungsberichte im Internet, schaute Youtube-Videos … Die Entscheidung, die Pille abzusetzen stand recht bald fest.

Für mich war vorallem ausschlaggebend, dass viele Frauen berichteten, ohne die Pille viel mehr „sie selbst“ zu sein, ihre Gefühle wieder spüren zu können. Außerdem stieg bei vielen nach dem Absetzen die Libido wieder stark an, sie nahmen ab und natürlich war da noch die Sache mit der Migräne. Ich wollte das also unbedingt an mir selber ausprobieren. Natürlich gab es auch massenweise Nachteile wie Akne, Haarausfall, fettige Haut und Zyklusstörungen nach dem Absetzen, aber außnahmslos alle Frauen berichteten, dass der Körper sich mit der Zeit komplett eingependet hätte.

Pille absetzen und dann?

Ich hatte also den Entschluss gefasst, die Pille abzusetzen. Eine sichere und unkomplizierte Verhütung wollte ich aber trotzdem. Nach ausführlicher Recherche habe ich mich für die Kupferspirale entschieden, denn meine neue Verhütung sollte definitiv Hormonfrei sein. Nach einem Aufklärungsgespräch mit meiner Frauenärztin stand meine Entscheidung definitiv fest und ich bekam einen Termin zum Einsetzen.

Für die Kuperspirale habe ich mich übrigens deshalb entschieden, weil es dafür nicht notwendig ist, etwas in der Gebärmutter zu verankern und weil man eher mitbekommen würde, wenn diese rausfällt. Und es gibt auch keine Probleme, da die Gebärmutterwand bei einer Spirale keine bestimmte Dicke haben muss um eingesetzt werden zu können. Außerdem ist sowohl das Einsetzen als auch die Entferung leichter (ich finde es klingt sehr schmerzhaft, dass eine Gynefix „herausgerissen“ werden muss und dass man beim Einsetzen in die Gebärmutterwand „bohrt“ um diese kleine Kupferkette zu befestigen).

Das Einsetzen an sich war zwar nicht angenehm, aber ich würde es jeder Zeit wieder tun, also es war definitiv kein Horrorerlebnis. Das Absetzen der Pille hat bei mir nun quasie gleichzeitig mit dem Einsetzen der Spirale stattgefunden, was dazu geführt hat, dass mein Körper erst mal einen halben Monat „rumgeblutet“ hat. Auch die Blutung an sich ist stärker geworden, dafür habe ich aber erstaunlicherweise gar keine Schmerzen mehr während der Periode, nur noch ein leichtes Ziehen.

Was hat sich seitdem verändert?

Das Erste was ich germekt habe war natürlich, dass ich stärker und länger meine Blutung hatte und auch Zwischenblutungen vermehrt auftraten. Das ist aber völlig normal und da es ohne Schmerzen ablief, auch absolut unproblematisch. Inzwischen ist es auch schon wieder besser geworden.Weiterhin hat sich meine Gefühlswelt komplett verändert und ich kann nur bestätigen, was ich zuvor gelesen hatte. Anfangs war ich sehr leicht reizbar, launisch und kam mit mir selber nicht gut klar. Inzwischen kann ich damit aber gut umgehen und freue mich darüber, dass ich meine Emotionen wirklich wieder intensiv fühlen kann. Mit der Pille war es eher ein Gefühl von „mir ist das alles egal“ + in der Pillenpause dann sehr launisch.

Ich habe momentan das Gefühl, das Leben viel echter und näher zu erleben, tatsächlich dabei zu sein und mich selber besser kennenlernen zu können. Abgesehen davon hat sich die Lust auf Sex sowie der Spaß daran wieder deutlich gesteigert und ganz ehrlich? Wozu nimmt man die Pille, wenn man dann selten miteinander schläft? Klar kein Sex ist immer noch die beste Verhütungsmethode, aber dann braucht man auch keine Hormone einnehmen ;-)

Meine Oberweite ist übrigens so schnell verschwunden, dass ich mich noch nicht mal verabschieden konnte. Innerhalb von 2-3 Tagen nach dem endgültigen Absetzen der Pille verschwand vermutlich eine ganze Körbchengröße auf nimmer wieder sehen – ich denke das waren dann die berühmten Wassereinlagerungen, die man durch die Pille bekommen kann. Und natürlich lagert sich das Wasser bei mir nicht am Po, den Oberschenkeln oder meinetwegen auch dem Bauch an – nein natürlich waren es die Brüste, die schrumpfen mussten. Mein Hungergefühl hat sich auch verändert, ich bin schneller satt und habe viel weniger Lust auf ungesunde Sachen und Süßigkeiten. Naja da kann man mal sehen, welche Auswirkungen die Pille so hat.

Eine grandiose Verbesserung ist definitiv das ganze Thema rund um die Migräne und die Periode an sich. Ich hatte seit dem Absetzen keinen einzigen Tag mehr Migräne (nur einmal leichte Kopfschmerzen) und die Blutung ist zwar etwas länger und stärker, aber dennoch super angenehm. Ich habe keine Schmerzen, Hitzewallungen oder sonstiges mehr. Ich kann also weiterleben wie zuvor und muss mich keine Woche mehr ausklinken, weil es mit schlecht geht. Und ich kann auch mal nur 6 Stunden schlafen und muss mich den drauf folgenden Tag nicht mit Überkeit und Kopfschmerzen rumschlagen.

Insgesamt hat die Entscheidung für mich eine enorme Verbesserung der Lebensqualität nach sich gezogen und ich würde es immer wieder machen. Ich war inzwischen auch schon zur Nachuntersuchung und mir wurde gesagt, dass die Spirale perfekt sitzt und definitiv sicher verhütet. Den Faden kann ich auch ertasten und ich habe insgeamt ein deutlich besseres Körpergefühl.

Mit Problemen wie Haarausfall, vermehrt Pickel oder besonders fettigem haar hatte ich bisher nicht zu kämpfen. Klar, derzeit ist mein Zyklus noch ziemlich durcheinander und ich bin immer gespannt, wann ich meine Periode das nächste Mal bekomme, aber ansonsten habe ich von den negativen Auswirkungen noch nichts gemerkt. Allerdings hatte ich schon als Teenager keine großartigen Probleme mit meiner Haut oder meinem Haar, ich denke, darauf ist das zurückzuführen.

Was möchte ich dir mitgeben?

Such dir einen guten Frauenarzt! Im Ernst, bitte such dir jemanden, der dich ernst nimmt, dir alle Fragen ausfühlich beantwortet und dem du vertraust. Nichts ist bei dem Thema wichtiger als ein Arzt und ein Praxisteam, bei dem du dich gut aufgehoben fühlst. Dank dem Internet kannst du die Ärzte in deiner Umgebung ja vorsichtshalber schon mal abchecken. Probier ruhig auch mal einen männlichen FA aus – meine Erfahrung sagt, dass diese oft einfühlsamer sind, da unbefangener. Also wenn du dich aktuell nicht wohl fühlst, zögere nicht und geh zu einem anderen Arzt.

Wenn du an der Pille zweifest, dann trau dich und setz sie ab. Natürlich ist es wichtig, dass du dich vorher ausführlich über mögliche Alternativen informierst und für dich entscheidest, was am besten zu dir passt. Besprich es mit deinem Frauenarzt und dann weg mit dem Zeug.

Lass dir keine Angst machen. Ja, es gibt unschöne Folgen, die nach dem absetzen eintreten können, aber diese vergehen sobald dein Körper sich eingepeglt hat. Er muss auch erst mal wieder lernen, die Hormone selber zu produzieren. Also gib dir im zweifelsfall Zeit und kümmere dich gut um dich.

Lass dich nicht beeinflussen! Dein Körper und deine Entscheidung. Lass dich bloß nicht von deinem Partner, deinen Eltern oder dem Fraunarzt verunsichern, wenn du spürst, dass die Pille nicht das richtige für dich ist. Es ist nun mal KEIN kleinen buntes Bonbon, welches auf wundersame Weise macht, dass man nicht schwanger werden kann. Nein, es ist ein Medikament, welches in den natürlichen Homonhaushalt der Frau eingreift und den Eisprung unterdrückt. Es ist auch nicht das einzige Verhütungsmittel auf der Welt, es gibt noch sehr viele andere Möglichkeiten, sich vor einer Schwangerschaft zu schützen.

Benutze Kondome – wenn du wechselnde Partner hast und natürlich auch, wenn du in einer Partnerschaft bist. Der sicherste Schutz in Punkto Geschlachtskrankheiten und auch Schwangerschaft ist definitiv das Kondom. Lerne wie man es benutzt, damit bist du immer auf der sicheren Seite.

Und ansonsten? Hab Spaß am Leben & der Liebe, triff deine eigenen Entscheidungen und bleib happy :-)

Ich hoffe sehr, dass du aus dem Beirtag etwas mitnehmen konntest. Schreib mir doch gerne deine Gedanken dazu, als Mail oder Kommentar unter diesem Beitrag :-)

Hier gibts übrigens das passende Video dazu: Meine Erfahrungen
Liebe Grüße
Lisel <3